Beratungsstellen
erkennen, dass man nicht allein istWollte man die Landschaft der Beratungsstellen in Deutschland auf ironische Weise einschätzen, könnte man beinahe sagen: In diesem Land gibt es nicht nur für alles einen Verein, auch bei den Beratungsstellen widmen sich Experten jedem denkbaren Leiden. Mit der nötigen Ernsthaftigkeit betrachtet jedoch, zeigt sich recht schnell, dass die Dichte der Anlaufstellen für Menschen mit Problemen hierzulande in vielen Ballungszentren und vor allem in den eher ländlichen Gegenden Deutschlands durchaus eher zu wünschen übrig lässt. Dabei ist der Bedarf an professioneller Hilfe in vielen verschiedenen Bereichen dramatisch gestiegen.
Diesem Trend entgegengesetzt wurden vielerorts die Mittel für die Beratungsstullen gekürzt oder ganz gestrichen, so dass viele Stellen längst nur noch deshalb ihre Hilfsangebote, Hotlines und Beratungszeiten anbieten können, weil sie wahlweise von den so genannten 1-Euro-Jobbern unterstützt werden. Alternativ können sie sich auf erfahrene ehrenamtliche Mitarbeiter verlassen, die ihre Freizeit opfern, um anderen Menschen in einer Notlage im übertragenen Sinne die helfende Hand zu reichen. Prognosen von Experten deuten bereits an, wohin die Entwicklungen infolge dieses öffentlichen Sparkurses gehen.
Immer öfter wird das Kind in den Brunnen fallen. Während die Beratungsstellen oftmals Probleme zu lösen helfen, bevor sie für die Betroffenen – dies bezieht sich gleichermaßen auf regelmäßige Drogenkonsumenten, psychische labile Jugendliche und Erwachsende wie auch auf Opfer häuslicher oder beruflicher/schulischer Gewalt – zur gefühlten unlösbaren Belastung werden. Denn oft reicht es schon, dass die Anrufer oder Besucher der Beratungsstellen erfahren, dass sie nicht die einzigen sind, die mit bestimmten Abschnitten ihres Lebens oder mit einer Erkrankung hadern.
In vielen Fällen sind es gerade die Berater in den kostenlosen Anlaufstellen, die den Leidenden den Weg in die Selbsthilfegruppe oder in eine therapeutische Einrichtung aufzeigen und so Schlimmeres verhindern. Werden die Beratungsstellen zukünftig in noch stärkerem Umfang geschlossen, ist für Experten eines schon heute klar: Die Folgekosten dieser Kürzungsmaßnahmen werden nicht nur erheblich sein. Sie werden vor allem die Mittel für die Aufrechterhaltung der Beratungsstellen bei weitem überschreiten. Dabei sind die Bürger als Steuerzahler selbst die Betroffenen, wenn diese wichtigen Instanzen für die Aufklärung und Beratung sukzessive abgeschafft werden, um bei ihren Steuergelder zu sparen. Auch Schulen können durch Beratungsstellen und Vertrauenslehrern den besorgten Schülern vertrauensvoll zur Seite stehen.