Lehrer Sprechstunden
lieber frühzeitig in Anspruch nehmen
Unter Schülern gibt es immer wieder Einstellungen, die von außen betrachtet nicht wirklich nachvollziehbar sind. Dazu gehört beispielsweise die Ansicht, dass Lehrer Sprechstunden vor allem etwas für Streber sind, die sich mutmaßlich bei den Pädagogen noch beliebter machen möchten. Genau genommen entbehrt diese Meinung nicht nur jedweder Grundlage. Vielmehr ist diese Position sogar grundsätzlich unsinnig. Wo, wenn nicht in den Lehrer Sprechstunden sollten Schüler und Schülerinnen schließlich bestehende Probleme, unerfreuliche Zwischenfälle und Unzufriedenheit mit Noten oder Lehrinhalten besser zum Ausdruck bringen können, als dort? Selbst wenn erfahrene Lehrer sicher im Laufe ihrer Laufbahn eine Antenne für negative Stimmungen im Klassenverbund entwickeln, werden sie kaum imstande sein, alle Schwierigkeiten ohne entsprechende Hinweise wahrzunehmen.
Die Lehrer Sprechstunden sollten von Schülern eher als Gelegenheit verstanden werden, den direkten Kontakt zu den Lehrkräften suchen zu können, ohne dass nur die Klassensprecher für die Meldung von Problemen als Sprachrohr verstanden werden. Das Gefühl, vom Lehrkörper im Unterricht oder bei einer Leistungsabfrage ungerecht behandelt worden zu sein, kommt schnell auf. Bis zum Klassensprechtag zu warten, erweist sich aber als kritisch, denn so können die nur subjektiv oder auch objektiv bestehenden Schwierigkeiten nicht rechtzeitig korrigiert werden. Von beiden Seiten. Denn nicht selten liegen auch Fehler auf Schülerseite vor, wenngleich für die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen von jeher die Lehrer die Bösen sind.
Doch auch in diesem Punkt kann es sinnvoll sein, die Lehrer Sprechstunden als Schüler wahrzunehmen. Denn im Gespräch unter vier Augen lernen viele ihre Lehrer von einer ganz anderen Seite als im Unterricht kennen. Plötzlich ist der angeblich so sture und auf seinen Stoff fixierte Mathelehrer ein ausgesprochen verständnisvoller Lehrer, der nur auf den richtigen Hinweis seiner Schüler gewartet hat, um komplizierte Sachverhalte nochmals eingehend im Unterricht zu erläutern. Nur denen, die ihren Mund aufmachen, kann auch geholfen werden. Und dazu sind die Lehrer Sprechstunden ja schließlich da. Für die Lehrer selbst sind die Sprechstunden vielfach das beste Stimmungsbarometer, um Reibungspunkte in den Klassen zu erkennen. Auf Schülerseite sollten vor allem diejenigen in den Lehrer Sprechstunden das Gespräch suchen, die von Mitschülern schlecht behandelt werden. Je früher, desto besser. Denn sonst droht eine regelrechte Mobbingspirale, die nervlich wie körperlich ungeahnte Risiken birgt.